Lipödem – wenn das Fett schmerzhaft in die Beine rutscht

Seid ihr oberhalb des Bauchnabels schlank, ja, mitunter dünn, aber unterhalb des Bauchnabels, hier im Besonderen an den Beinen, dick und aufgeschwollen? Ihr nehmt genau dort immer mehr zu, ohne dass ihr eure Ernährung verändert habt? Bekommt ihr rasch blaue Flecken an den Beinen und fühlen sie sich schwer und wie Blei an? Dann könntet ihr am…

…schmerzhaften Lipödem leiden. So wie ich.

Seit meiner Jugend, und ganz klar seit der ersten Schwangerschaft, sind meine Beine wie zwei Stämme: Cellulite, scheinbar wie aufgeblasen, schmerzend. Und das obwohl ich bis vor wenigen Jahren viel Sport getrieben habe: Kampfsport, Reiten, Aerobic…Oben herum trage ich nachwievor (nach meiner erfolgreichen Abnahme vor 2000) Größe 36, manchmal sogar 34, je nach dem wie die Kleidung größenmäßig ausfällt. Aber, aber: unterhalb des Bauchnabels brauche ich Größe 38. Nicht weil ich einen mega dicken Bauch hätte, sondern weil meine Beine permanent geschwollen sind. Diagnose: Lipödem.

Lange Zeit hatte ich mich gewundert warum ich an den Beinen nur unwesentlich abnehme, trotz Diäten, Ernährungsumstellung, Sport und somit Bewegung. Auch heute hält diese Verwunderung an, denn ich ernähre mich ausgewogen und gesund: keine bis kaum Fertigprodukte, viel frisches Gemüse, Obst, Salate, wenig Fleisch (und dann bevorzugt helles) und Fisch, so gut wie nichts an Süßkram. Dazu täglich rund 2 Liter Flüssigkeit in Form von Wasser, Apfelschorle, Tee, Kaffee oder auch mal ein Glas Wein oder Bier. Vom Gewicht her liege ich relativ nahe am Normalbereich. Und doch gibt es Tage da fühle ich mich wie ein laufendes Fass auf zwei Krautstampfern. Alles nur wegen den angeschwollenen und schmerzenden Beinen. Übrigens auch wenn ich überwiegend im Sommer sportlich aktiv bin (viel flottes Spazierengehen, Schwimmen) so kommt aufgrund des Alltags und meines Berufes viel Bewegung hinzu.

Vor einiger Zeit habe ich mich mit einem medizinischen Masseur unterhalten, der meinen nervigen Beinen eine Massage verpasst hat. Seine erste Frage war „die Schmerzen sind bestimmt schlimm, oder“. Na, wenigstens einer der Frau versteht. Ich habe ihn dann Löcher in den Bauch gefragt, geforscht warum und wieso das Fett schmerzhaft und hartnäckig in den Beinen vorzufinden ist. Lipödem, so seine Antwort. Und das hat eigentlich nichts mit schlank oder dick zu tun. Aber was ist das nun eigentlich und was können wir Betroffenen dagegen tun?

Zunächst einmal handelt es sich um eine Krankheit. Hinter dem Wort Lipödem verbirgt sich die Tatsache einer Fettverteilungsstörung, die sich überwiegend an den Beinen, am Po und an der Hüfte offenbart, allerdings je nach Schweregrad auch an den Armen auftritt. Hier ebenso manchmal sogar so stark über die Handgelenke überlappend, dass es wie eine Art Kragen aussieht. Übrigens auch an den Fußknöcheln mitunter sichtbar. Und schmerzhaft.

Das Körperfett setzt sich ungleichmäßig an verschiedenen Stellen ab, so etwa an den Innenseiten der Knie, an den Oberschenkeln, am Gesäß, an den Waden oder an den Hüften. Derart geballt verursachen diese Einlagerung eine Anfälligkeit für blaue Flecken (ein leichtes Anstossen genügt zumeist), eine Schweregefühl, Druck und Schmerzen in den Beinen oder Händen, je nach Schweregrad Bewegungseinschränkungen, Verhärtungen im Untergewebe der Haut, Druckempfindlichkeit, kalte Haut oder auch Cellulite (Orangenhaut).

Warum ein Lipödem vorhanden ist kann unterschiedliche Ursachen haben: grundsätzlich scheint es genetisch bedingt zu sein, was jedoch nur Frauen betrifft. In den meisten Fällen beginnend in der Pubertät, kann ein Lipödem aber auch erst während oder nach einer Schwangerschaft sowie in den Wechseljahren auftreten. Und eines gleich vorweg: es ist nicht heilbar und kann sich mit der Zeit verstärken. Medikamente oder heilbringende Therapien gibt es somit nicht, allerdings kann jeder Betroffene selbst gezielt etwas gegen das Lipödem unternehmen, und sei es nur die Ausprägung in Schachzuhalten.

Tipps zur Erleichterung, Reduzierung, Begrenzung eines vorhandenen Lipödems (auch aus eigener Erfahrung)

  1. solltet ihr unter dem Problem Lipödem leiden achtet darauf euer Körpergewicht stabil zu halten. Zwar wird gesagt, dass ein Übergewicht kein Grund dafür ist, aber genau betrachtet lagert sich jedes Extra-Kilo zu viel noch viel mehr an den schmerzenden Körperregionen ab
  2. ernährt euch bewusst, will heißen, greift lieber zu frischen Produkten wie Obst, Gemüse, Salate und lasst Fertigprodukte besser im Regal liegen. Reduziert den Wurst- und Fleischkonsum (besonders Schweinefleisch), Milch, Eier ebenso wie eine übermäßige Aufnahme von Zucker (Süßigkeiten)
  3. Achtet darauf ausreichend zu trinken, hier wiederum dann am besten Mineralwasser medium oder still (alternativ Leitungswasser), Brennnesseltee (entwässert), Tee ohne Zuckerzugabe, Apfelschorle oder (eher als Zwischen-/Mahlzeit) einen frischen Smoothie z.B. mit Erdbeeren (ebenfalls hilfreich zum Entwässern)
  4. Massagen, am besten von einem medizinischen Masseur, bieten Linderung. Aber natürlich könnt ihr euch auch selbst massieren oder bittet euren Partner um eine Beinmassage. Mir hilft zum Beispiel auch das Einreiben mit Franzbrandwein oder Eukalyptusöl
  5. Legt die Beine so oft es geht hoch, um etwas Entlastung und Schmerzlinderung zu ermöglichen
  6. Wechselduschen stützen nicht nur euer Immunsystem, sondern lindern, fördern die Durchblutung und reduzieren aufgrund der Anregung des Bindegewebes auch die Cellulite
  7. Versucht nicht Bewegung zu vermeiden, allerdings denkt daran, dass (je nach Schweregrad des Lipödems) die Gelenke ebenfalls leiden und deshalb so manche Sportart mitunter nicht die richtige für euch und eure Gesundheit ist. Hilfreich ist Schwimmen, flottes Gehen, Gymnastik, Low Impact Aerobic, Fahrradfahren und ähnliche sportliche Aktivitäten
  8. lasst euch von Profis helfen, so etwa durch eine Entstauungstherapie, Lymphdrainage, medizinisch notwendige Fettabsaugung, Wicklungen, Bewegungstherapie, Massagen
  9. Versucht euch Linderung durch Naturheilmittel und alternative Heilmethoden, wie etwa Akupunkt-Massage, Aromatherapie (oral) nach Absprache mit einem Apotheker oder Heilpraktiker (helfen können Fichte, Rosmarin, Zwiebel, Knoblauch, Gewürznelken…), Frischpflanzentropfen (z.B. Löwenzahnsaft, Erdrauch, Fenchel…), Homöopathische Mittel (Komplex-Homöopathie), das Halten eines möglichst stabilen Säure-Basen-Haushalts oder auch die Einnahme von Schüsslersalze Nr.2, 4, 7 und 9

Lasst euch  nicht zu sehr von dem Lipödem beeinflussen!

Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan, denn auch ich hadere immer wieder mit dem Problem. Auch optisch, denn gerade bezüglich dem Aussehen leiden wir Frauen zusätzlich unter einem Lipödem. Und somit auch seelisch, was bis zur Depression führen kann. Frust zeigt sich zudem allemal, gerade wenn man sich gesund ernährt, Diät hält oder viel Sport treibt, aber die „Säulen“ einfach nicht verschwinden wollen.

Mir hilft es zumeist zu sagen „was ich nicht ändern kann, nehme ich an“. Ansonsten achte ich auf die obengenannten Tipps und deren Einhaltung bzw. Umsetzung. Was ich euch auch raten möchte.

Habt ihr das gleiche Problem mit dem Lipödem?

Wie geht es euch damit?

Was hilft euch körperlich und seelisch?

Ich würde mich freuen, wenn ihr rege kommentieren würdet, um möglichst viele hilfreiche Tipps zusammentragen zu können! 🙂

 

 

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2 Gedanken zu “Lipödem – wenn das Fett schmerzhaft in die Beine rutscht

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