Wenn Schönheit auf Armut trifft: Insel Rügen

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Schöne liegt so nah? So könnte ich fragen, wenn es um das Thema Urlaub geht. Die Ostseeinsel Rügen mit ihren berühmten Kreidefelsen gehört landschaftlich sicherlich zu einer der schönsten Regionen in Deutschland, allerdings trifft dort die Schönheit der Natur auf die real vorhandene Armut der Bewohner…

Als Deutschlands größte Insel gehört Rügen zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und weist eine Fläche von 926 Quadratkilometer auf. Ein Urlaubsgebiet an der Ostsee, das schon im 3. Weltkrieg bekannt wurde, weil dort ein Urlaubskomplex für zeitgleich 20.000 Urlaubswillige Volksgenossen erbaut, jedoch nie in Betrieb genommen wurde. In diesem Komplex auf einer Länge von circa 4,5 km werden zwischenzeitlich partiell Gebäudeabschnitte veräußert. Für mögliche Investoren für den Bau neuer Hotelanlagen ebenso interessant wie auch für Investoren im Wohnungsbau. Im Luxusbereich, denn die Preise beginnen dort bei rund 2500€ je qm und steigen dann mal flott auf etwa 6500€ pro qm für eine Penthouse-Wohnung. Luxus eben, an einem der schönsten Plätze der Insel.

Ein Luxus, der an rund einem Viertel der Bewohner von Rügen vorbei geht. Grund: diese haben weniger als 800€ im Monat zur Verfügung und gelten somit als arm. Armut auf einer mondänen Urlaubsinsel? Kein Witz, sondern harte Realität für die Betroffenen. Neben der Armut ist die Arbeitslosenzahl sehr hoch auf der Insel und die Perspektiven gelinde gesagt bescheiden. Ein Blick auf die durchschnittlichen Löhne auf Rügen lässt einem die Haare zu Berge stehen: ein ausgelernter Koch verdient etwa 1000€ Netto, der allgemeine Durchschnittsverdienst für eine Vollzeitstelle liegt bei 600-700€. Überleben in einem Urlaubsgebiet wird damit zum täglichen Horrortrip. Bestrafung: niedriger Lohn für Arbeitswillige. Wo soll hier noch eine Motivation zum Weitermachen herkommen?

Viele der örtlichen Arbeitslosen werden als 1€-Jobber in irgendwelche Tätigkeiten gesteckt. Nur um die Zahlen zu beschönigen. Die Menschen, die so dann bis zu drei Jahre „arbeiten“ erhalten nur selten Anerkennung. Traurig, ja, fast schon deprimierend. Und das im Naturparadies. Doch von einer tollen Umgebung lassen sich keine Kühlschränke füllen oder Wünschen näher kommen.

Der Gegenpart all dessen, Kleiderkammern eingeschlossen, sind die Pläne derer, die den Euro nicht umdrehen müssen. Rügen soll noch mehr Touristen anziehen. Reiche. Beach-Polo, ausgestellte Ferraris, Porsches und Co an der Promenade und ein VIP-Zelt wo gar keine VIPs zu finden sind sollen die besondere Welt vorgaukeln. Fast schon lächerlich anmutend. Und wohl ein Schlag ins Gesicht für die Inselbewohner, die selbst mit einer Vollzeitstelle an der Armutsgrenze kratzen.

Schönheit trifft Armut. Reichtum die Sorgen vieler. Eine Tatsache, die sehr nachdenklich stimmen lässt, wie der Mensch sich entwickelt und welche Abgründe sich im reichen Deutschland auftun, wenn man einmal genauer hinsieht…

 

Fotoquelle: wikipedia

 

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