Im gelernten Beruf weiterkommen statt gänzlich Neues lernen

Arbeit, Berufsleben, Arbeitssuche…heute möchte ich ein Thema, das Millionen betrifft, aufgreifen und Impulse dafür geben, dass es sich viel mehr lohnen kann im bereits erlernten oder aktuell ausgeübten Beruf“eins drauf zu setzen“, anstatt sich ständig neu und umzuorientieren…

Ob mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder mit einer langjährigen Berufserfahrung als einstiger „Anlernling“ – irgendwann kommt eine Situation, und somit ein Zeitpunkt, im Leben, wo das bisherige berufliche Tun in Frage gestellt wird…

Die Gründe hierfür können äußerst vielfältig sein: So kommt es beispielsweise vor, dass man wegrationalisiert wird. Oder irgendwie findet man in seinem erlernten Beruf trotz Anstrengungen keine neue Stelle. Und manchmal genügt es auch schon an der Routine und Langeweile fast zu ersticken. Hier entsteht dann wiederum sehr häufig die Idee sich gänzlich neu zu orientieren oder sogar in einem ganz anderen Bereich wieder zum Lernenden zu werden. Gepaart sind diese Gedankengänge oftmals mit dem Wunsch „im neuen Berufsfeld oder in der neuen Firma wird alles leichter, besser, ich verdiene mehr und eine Langeweile gibts dann auch nicht mehr so in dem Ausmaß“. Ist das dann tatsächlich so? Oder entsteht nicht wieder ein Ersticken am Bekannten, Langweiligen, Routinierten? Was verbessert sich wohl real betrachtet durch einen Branchenwechsel, auch und gerade, wenn man mitunter erst vor kurzer Zeit seine Lehre oder Ausbildung abgeschlossen hat?

Meine Erfahrung zu diesem Thema konnte ich einerseits als langjährige Jobhopperin als auch aktuell mit meiner erwachsenen Tochter machen. Und von den vielen Begegnungen mit anderen Frauen und Männern, die ebenfalls immer wieder mit diesem Thema in Berührung kommen oder gekommen sind.

Am Beispiel meiner Tochter, mit der ich derzeit lange Gespräche und oft auch regelrechte Diskussionen führe, lässt sich so manches von diesem Beitrag besser nachvollziehen. Sie hat vor einiger Zeit mit Auszeichnung ihre Lehre zur Einzelhandelsverkäuferin abgeschlossen. Obwohl sie mit Lob etc. bestanden hat, muss ich immer wieder feststellen, dass ihr gehöriges, durchaus tiefergehendes Fachwissen fehlt. Ein Umstand, der mir nicht nur auch mit meinen beiden ältesten Söhnen begegnet ist, sondern auch bei vielen anderen Familien. Ich selbst kann, gerade hinsichtlich Verkauf auf eine fast 20 jährige Berufserfahrung zurückblicken: von der „kleinen Verkäuferin über Filialleiterin bishin zur Selbstständigen“. Und weiß also wovon die Rede ist, wenn es darum geht „Verkaufen ist langweilig, da komm ich doch kaum weiter etc.“ Meine Tochter, zum Beispiel, überlegt, ob sie nicht in ein anderes Berufsfeld einsteigen soll, so etwa als Bürokauffrau, was allerdings in der Regel erst einmal ein erneutes, langes Lernen mit sich bringen würde.

Grundsätzlich gebe ich meinen Kindern keine Vorgaben, was sie zu arbeiten haben, denn immerhin müssen sie es ja machen, und nicht ich. Aber raten, ja, das kann ich durchaus und folglich von vielfachen eigenen Erfahrungen berichten. Auch von Gefühlen wie Routine, Langeweile, Unterfordertsein u.s.w. Ganz früher war ich ebenfalls oft rasch dabei etwas hinzuwerfen, weil ich gedacht habe an der Langeweile zu ersticken, ich total unterfordert war und ebenso oft keine echte Anerkennung erhalten habe. Weder in Worten, noch im Bezug auf mehr Geld. Irgendwann war ich dann das erste Mal selbstständig und seit dem ist bei mir eh nichts mehr wie es noch als brave, angepasste Angestellte in jungen Jahren war. Warum ist das so?

Wer einmal selbstständig lange Zeit gearbeitet hat, hat seinen eigenen Kopf, ist nicht mehr so „abhängig“ von anderen gelobt zu werden, man kennt seinen „Wert“ und vieles mehr. Hinzu kommt, wer geistig eine bestimmte Stufe im Leben erreicht hat, kann nicht einfach die Lebenstreppe wieder rückwärts hinunterlaufen und sich dümmer stellen als er ist. Es sei denn sie oder er sind hervorragende Schauspieler. Ich selbst schauspiele nicht, weil ich einfach ich bin und auch meine Prinzipien habe. Erst einmal an solch einen Punkt gelangt, wird es schwierig für jemanden zu arbeiten bzw. potenzielle Arbeitgeber wollen einen gar nicht oder nur sehr ungern. Zwei Beispiel aus meinem Leben: einmal lehnte mich ein Arbeitgeber ab „weil sie meine ganze Mannschaft durcheinander bringen würden“, einmal war es „ich kann sie nicht für diese Führungsposition einstellen, weil sie mehr als ich können und wissen“. Letzterer war ein Unternehmer mit einer Neugründung in der Systemgastronomie. Erfahrungen, die mich selbst immer weiter gebracht und in meinem eigenständigen Denken und Handeln bestärkt haben.

Jetzt ist es aber so, dass vom Grundsatz her nicht jeder Mensch gleich dafür gepolt ist als Selbstständiger seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Und hier sind wir wieder bei anfänglichen Thema „bleiben, gehen, ganz Neues lernen“. Ich konnte feststellen, dass sehr viele Frauen und Männer, ob sehr jung oder schon mit fortgeschrittenem Alter, die Flucht als erstes Mittel ansehen. Langeweile, Routine, stupides Arbeiten, null Anerkennung, zu wenig Geld…wie bereits gesagt, Gründe gibt es genug für eine Berufs- oder Jobflucht. Allerdings bleibt immer die große Frage im Raum stehen: Was dann? Und wird es wo anders wirklich besser?

Dabei wäre es mitunter sinnvoll sich erst einmal folgende Fragen ehrlich zu beantworten und dadurch vielleicht einen vielversprechenden Perspektivwechsel erleben zu können:

  • Arbeite ich nur oder lerne ich täglich weiter?
  • Was könnte ich in meinem Job selbst (ver-)ändern, um weniger Langeweile und Routine zu verspüren?
  • Wie viel verbales Lob oder geldwerte Anerkennung brauche ich, um mich täglich gut und bestätigt zu fühlen?
  • Tue ich selbst genug dafür, um diese Anerkennung oder das Lob bekommen zu können?
  • Wie wichtig ist mir mein tägliches berufliches Tun?
  • Bin ich neugierig und lernwillig genug alles aus meinem jetzigen Beruf oder Job herausholen zu können?
  • Was vermisse ich eigentlich grundsätzlich im Leben, das ich wiederum auf mein berufliches Tun projeziere?
  • Was verspreche ich mir davon, wenn ich den Beruf, den Job, die Branche wechsle?
  • Weiß ich genug in dem neuen Berufsfeld?
  • Welche Voraussetzungen brauche ich dafür und was bin ich bereit dafür zu tun oder zu geben?
  • Würde es nicht viel mehr Sinn machen mich dahinter zu klemmen in meinen aktuellen Job oder Beruf tiefes Wissen, erweiterte Fähigkeiten und Kenntnisse zu erlangen und jeden Tag besser und besser zu werden?

Natürlich gibt es noch viel mehr Fragen, die auf eine Antwort warten, wenn es um dieses Thema geht, allerdings sollen die gerade gestellten ja auch nur einen Impuls darstellen, um sich selbst näher zu kommen und mitunter einen Perspektivwechsel zu ermöglichen: Bleiben und lernen sowie immer besser werden oder gehen und eigentlich wieder bei Null anfangen…

Ich selbst rate zum Ersteren. Weil da viel Potenzial drin steckt. Und man selbst so eine persönliche Herausforderung in den Raum des Lebens stellt. Weglaufen, sprich flüchten, ist immer der scheinbar leichtere Weg sich bestimmten Dingen oder Fragen und Veränderungen nicht zu stellen. Leider oftmals mit dem Ergebnis, dass man genau wieder am selben Punkt landet wie im „alten Job“. Viel Anstrengung für schlussendlich nichts (Ausnahmen bestätigen jedoch auch bei diesem Thema die Regel!)…

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