Sind wir geboren nur um Erwartungen zu erfüllen?

Wir alle schwimmen in den verschiedenen Lebensgewässern. In diesen sind täglich Erwartungen enthalten, die so manchem wie ein Felsbrocken um den Hals hängt. Und die Frage aufwirft: sind wir geboren nur um die Erwartungen anderer Menschen zu erfüllen?

Enttäuscht wird man nur, wenn man etwas erwartet, was der andere einem nicht geben kann. Erwarte nichts, dann wirst du nicht enttäuscht. (Belinda Fuchs)

Erwartungen sind so ein Ding für sich. Da erwarten wir, dass der Partner uns glücklich macht. Wir erwarten, dass der Chef unser Potenzial erkennt. Wir erwarten auf der Gewinnerseite des Lebens zu stehen. Wir erwarten, erwarten…ständig irgendetwas von irgendwem. Oder, der Gegenpart dessen, andere erwarten von uns ein permantes Funktionieren, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Mitmachen, Aktiv werden, da sein. Das baut Druck auf und kann mit der Zeit sogar krank machen. Den Körper und die Seele.

Welche Erwartungen tauchen so im Alltag auf?

Die Kollegen gehen nach Feierabend immer ein Bier trinken. Man selbst will nur nach Hause. Man hat keine Lust auf die sexistischen Sprüche, das scheinbare „Wir-haben-uns-alle-so-lieb“ Getue. Und müde sind wir noch dazu. Was tust du in dieser Situation? Erwartet wird, dass wir mitgehen, mitmachen. Unser Magen dreht aber Kollaps, weil er sich so dagegen sträubt. Hier heißt es: nein, ich erfülle nicht die Erwartung der anderen, auch mit der Gefahr, dass sie danach der Meinung sind „der oder die gehört halt jetzt nicht mehr dazu“. Die meisten Menschen werden nun ein ungutes Gefühl bekommen: Schuldgefühle, schlechtes Gewissen, Ängste. Allerdings sind diese Emotionen vollkommen unnötig, wichtiger ist es das zutun was man selber will und was einem gerade gut tut.

Der Partner erwartet von uns nicht nur, dass wir unsere alltäglichen Pflichten erledigen, sondern zusätzlich auch noch, dass er immer für uns da ist, stets dafür sorgt, dass wir uns nicht ärgern und uns gut fühlen. Was tust du in dieser Situation? Wenn wir lieben ist es für uns selbstverständlich für den anderen da zu sein. Allerdings haben wir auch ein eigenes Leben, gespickt mit Wünschen, Interessen, Freunden, Träumen. Um diese gilt es sich ebenfalls zu kümmern. Wir können und sollen nicht alle Erwartungen des Partners erfüllen, besonders dann nicht, wenn wir wieder einen Knoten im Magen haben, weil wir jetzt gerade nicht die Erwartungen erfüllen wollen oder können. Und wieder spüren wir: Ängste (er wird mich verlassen), Schuldgefühle (nun sitzt sie oder er alleine rum), schlechtes Gewissen (bin ich egoistisch?). Aber auch in einer Beziehung, unabhängig zu wem, gilt: wenn wir ständig nur Erwartungen erfüllen, obwohl wir das gerade nicht wollen oder können, und uns dadurch schlecht fühlen, werden wir auf Dauer körperliche und seelische Symptome verspüren, die alles nur nicht gesund sind.

Zwei Beispiele von vielen, die uns Tag für Tag im Umgang mit anderen Menschen begegnen. Und die uns jetzt dazu anhalten sollten einmal intensiver über das Thema „Erwartungen anderer an mich – welche Erwartungen streue ich selbst täglich durch die Beziehungs- und Arbeitswelt“ nachzudenken.

Das eingangs genannte Zitat beinhaltet sehr viel Wahrheit. Zudem: wenn wir an andere keine Erwartungen hegen, diese sogar damit unter Druck setzen, sind wir wieder in der Eigenverantwortung.

Wir erwarten nicht, dass uns jemand einen finanziellen bequemen Hintern bereitet. Nein, wir finden selber Möglichkeiten dazu. Wir erwarten nicht ständig Aufmerksamkeit und Liebe von einem anderen, nur um uns dadurch besser zu fühlen. Nein, wir sorgen uns um uns selbst indem wir lernen uns so zu lieben wie wir sind und geben uns selbst die Aufmerksamkeit, indem wir das tun was uns gut tut. Wir erwarten nicht, dass uns irgendein Amt eine Arbeit vermittelt. Nein, wir setzen uns hin, überlegen wo wir eine neue Stelle finden können und werden danach aktiv, bis wir eine neue Arbeitsstelle haben. Wir erwarten nicht, dass bei Störungen in der körperlichen oder seelischen Gesundheit andere uns gesund machen. Nein, wir tun selber alles dafür, dass wir wieder gesund werden und vor allem gesund bleiben. Nehmen an Gewicht ab, treiben Sport, halten unser Gehirn fit, nehmen Möglichkeiten wahr unsere Seele zu entlasten und zu streicheln.

Erwartungen nicht erfüllen und nicht selber an andere stellen bedeutet ein Höchstmaß an Selbstverantwortung, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Und genau darin sollte der Lebenszweck liegen: nicht ständig zu fordern oder Dinge zu tun, die andere unter Druck setzen oder uns selber Schaden zufügen. Wir sind gut so wie wir sind und müssen nicht durch unliebsame Erwartungen an uns um Liebe oder Anerkennung kämpfen. Doch gleiches gilt für unser Gegenüber. Üben wir uns also in Achtsamkeit. Uns und anderen gegenüber und übernehmen wir endlich die Eigenverantwortung, die uns das Leben zur Hand gibt.

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