Eine Episode aus dem Leben: wie einst eine Schreibblockade alles veränderte

Ich denke, jeder von uns hatte bereits einen oder mehrere Lebensabschnitte, in denen nichts mehr so war wie bisher. Ein Lebensabschnitt von mir war als von heute auf morgen eine Schreibblockade mein Leben sowie die Finanzen auf den Kopf stellte. Einfach so. Wirklich einfach so?

Nächste Woche werde ich 46. Und ich konnte in all den Jahren schon so manches persönliche und berufliche Hoch und Tief erleben. Begleitet von Zweifel, Selbstvorwürfen, Vorwürfe anderer, Ängsten und oft auch Verzweiflung. Allerdings fand ich jedes Mal nach einer ersten schwarzen Phase in mein Vertrauen zurück. Ein Vertrauen, dass nichts so bleibt wie es ist, ein stetiger Wandel im Leben als Begleiter zur Seite steht.

Einer der gravierendste Einschnitte in meinem Leben war hierbei eine urplötzlich auftauchende Schreibblockade. Hätte ich damals das Schreiben nur als Hobby gehabt, wären die Auswirkungen nicht so massiv gewesen. Aber ich lebte mit meiner Familie von der Buchstabenjonglage. Und war somit selbstständig.

Begonnen hatte meine berufliche Tätigkeit (oder sollte ich besser sagen Berufung) 2008. Bis zum Frühling dieses Jahres arbeitet ich noch als angestellte Wellnessmasseurin und Gesundheitsberaterin in einem Floating-Studio. Damals machte mir diese Tätigkeit viel Spaß, allerdings sorgte mit der Zeit meine Chefin dafür, dass ich innerlich kündigte. Es ergab sich, dass ich über das Floaten einen Ratgeber schrieb. Nicht für mich, sondern vielmehr für meine Chefin und ihr Unternehmen. Doch eines Tages waren die Differenzen so groß, dass ich kündigte. Und vor der Entscheidung stand wieder in eine Anstellung oder mit irgendetwas eine Selbstständigkeit auf die Beine stellen. Ich entschied mich für letzteres und begann damit als Texterin nach Aufträgen zu suchen.

Mein Suchfeld war das Internet, und schnell fand ich eine Plattform, die mir auch als Anfänger die Möglichkeit gab Textaufträge zu erhalten und damit Geld zu verdienen. Ich werde nie meinen allerersten bezahlten Text vergessen: es ging um einen Artikel über Magersucht. Verdienst: knappe 15 Euro. War ich stolz! Ich, die kein Germanistikstudium vorweisen kann, bekam Aufträge und gute Bewertungen. Angespornt durch die ersten positiv verlaufenden Aufträge gab ich folgend „Gas“.

Es dauerte nur wenige Monate, da hatte ich nicht nur das Portal für Aufträge in der Hand, sondern zusätzlich „freie“ Kunden. Zufriedene Kunden. Stammkunden. Die mich auch weiterempfahlen. Bereits nach nur 6 Monaten war ich erfolgreich als Texterin „im Markt“. Der Erfolg zeigte sich nicht nur darin, dass ich sehr gute und tolle Stammkunden hatte, sondern auch in barer Münze auf meinem Kontoauszug. Dabei war mir stets wichtig meine Kunden zufriedenzustellen, mein Bestes zu geben, Death Lines einzuhalten und mich zusätzlich so nebenbei weiterzubilden. Und für meinen Partner und meine Familie dazu zu sein. Kein leichtes Unterfangen, denn meine Berufung nahm immer größere Ausmaße an.

2010 war ich auf dem richtigen Höhepunkt als selbstständige Texterin: jeden Tag lagen 100 zu bearbeitende Texte auf meinem Schreibtisch. 15, 16 Stunden Tage waren die Regel. Und eigentlich hätte ich es ahnen müssen, dass es so auf Dauer nicht gehen würde. Sogar ein guter Bekannter von mir aus Frankfurt, seit Jahrzehnten erfolgreich mit einer Werbeagentur, mahnte mich bei einem Besuch in Frankfurt „du bist saugut im Texten, aber du verbrennst dich!“ Ich wollte nicht auf ihn, den Erfahrenen, hören und machte weiter wie bisher. Und immer noch mit viel Spaß an meinem Tun. Aber irgendwie müde und kaputt.

Es kam wie es wohl kommen musste.

Durch einen Auftrag, und den Auftraggeber für diesen, bekam ich Kontakt zu BASF und erhielt den besten Auftrag den man sich vorstellen kann. Ja, ich hatte es geschafft! Aber der Preis war hoch…

Kaum hatte ich den Auftrag mit Bravour abgeschlossen, geschah genau das was ich nicht wahrhaben wollte: immer noch eine Menge Aufträge auf dem Tisch, und mit der Aussicht auf einen phänomenalen Folgeauftrag der großen Firma, stand ich morgens ganz normal auf, kümmerte mich um meine Kinder und einen Teil der Hausarbeit und wollte wie jeden Tag danach mit dem Texten beginnen. Ich fuhr den PC hoch, besah mir die dringendsten Aufträge, öffnete Word und…NICHTS! Am Abend schloss ich das leere Dokument und beruhigte mich mit dem Gedanken „du bist einfach nur müde“.

Doch es war weitaus mehr als nur eine Müdigkeit durch Überarbeitung. Ich konnte nicht mehr schreiben. Es ging einfach nicht. Meine Finger berührten die Tasten, aber sie brachten kein Wort zustande. Wochenlang der gleiche Zustand. Keine Änderung. Keine Besserung. Meinen Auftraggebern musste ich die Misere mitteilen. Alle hatten Verständnis und meinten, wenn ich wieder könnte, solle ich mich unbedingt melden. Aber ich konnte nicht mehr.

Wer schon mal ähnliches erlebt hat, kann sich sicherlich vorstellen wie es mir ging. Von heute auf morgen blieben Tausende von Euro aus, ich wurde depressiv und immer verzweifelter. Jegliches Vertrauen in mich und das Leben war verschwunden. Neben der persönlichen Krise kam nun auch die finanzielle hinzu. Eine Talfahrt, ohne Aussicht auf Änderung.

Diese Schreibblockade zwang mich erneut mein Leben zu verändern. Jahrelang. Doch mit der Zeit, und so gut wie keinen einzigen (bezahlten) Text mehr aus meiner Tastatur, begann ich Vertrauen in mich zu setzen. „Wenn die Zeit gekommen ist, wirst du wieder schreiben können!“. Ja, darauf vertraute ich. Jeden Tag. Ich zwang mich nicht mehr zum Schreiben, ließ einfach geschehen, was wohl geschehen sollte. Und seit letztem Jahr verabschiedet sich die Blockade immer mehr. Ich spüre sie kaum noch. Aber ich gehe es langsam an, zumal meine beruflichen Pläne nun etwas anders sind. Allerdings hat auch hier das Schreiben einen Anteil. Doch darüber berichte ich euch dann spätestens ab nächste Woche.

Was möchte ich euch mit diesem Beitrag sagen?

Das Leben durchläuft von jedem von uns Höhen und Tiefen. Oftmals bleibt nichts so wie es ist oder war. Und ja, manchmal muss man loslassen können, um vieles erkennen, neu erleben und verarbeiten zu können. Vertrauen ist hier ein wichtiger Schlüssel. Vertrauen, dass alles im Leben einen Sinn hat, auch wenn wir ihn manchmal nicht gleich sehen. Und das Veränderungen in der Regel nach einer gewissen Zeit die Erkenntnis auslösen „genau so musste alles kommen“. Wenn ich so zurückblicke hätte ich durch die Schreibblockade vermutlich nie meinen jetzigen Mann kennengelernt, würde nicht in einem wunderschönen Holzhaus wohnen und könnte mein Leben so leben wie ich es gerade mit Freude (wenn auch manchmal immer noch mit kurzen Anflügen von Zweifel und Miss-Vertrauen begleitet) tue. Ja, ich bin dankbar. Dankbar für die Schreibblockade. Dankbar für das was ich kann. Dankbar für die Menschen, die nie den Glauben an mich und meine Fähigkeiten verloren haben. Dankbar in mein Vertrauen.

Solltet ihr ähnliches erlebt haben oder gerade selbst in einer Lebenskrise stecken: bitte gebt euer Vertrauen nicht auf! Nicht in euch und nicht in andere! Das Leben weiß ganz genau was es uns zumuten kann, was wir verkraften und was wir brauchen um geistig und seelisch zu wachsen. Und mit der Zeit genau das Leben leben zu können wie wir es uns wünschen und wie es uns zusteht.

 

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