Welch aufregender Abend: 3 Stunden Notaufnahme Klinik Singen, singende Patienten und ein Arzt mit Stock in der Hose

Was gibt es schöneres als während dem Kochen und Produkte testen einen Anruf der Tochter zu bekommen „Mama, fährst du mich in die Notaufnahme?!“, knapp drei Stunden Aufenthalt im Krankenhaus und Erlebnisse, der besonderen Art!?

 

Heute Abend war mal wieder so einer, den man nicht wirklich braucht. Kurz vor 18 Uhr, ich war gerade dabei Blumenkohlcremesuppe sowie Karottensalat (mit der Hilfe von Gourmetmaxx) zu machen und Körnerbrot von Hammermühle zu backen und zu testen, als das Telefon klingelte. Ich dachte noch „ah, Töchterchen hat Pause bei der Arbeit“ als ich schon beim Abnehmen des Hörers ein Weinen hörte. „Mama, fährst du mich in die Notaufnahme?! Ich habe mich mit dem Teppichmesser tief in den Finger geschnitten!“

Also Herd abgestellt, Eieruhr für das Brot angestellt und noch rasch Zitronensaft auf die geriebenen Karotten geträufelt. Männer instruiert „denkt an das Brot!“ und schon war meine Tochter zuhause und wir auch gleich ab ins Auto. Nun muss man wissen: wer ins Hegauklinikum Singen in die Notaufnahme gehen muss, sollte viiiiieeeel Zeit mitbringen. Durchschnittlich 3 Stunden. Ist immer so. Es sei denn man kriecht mit spritzender Halsschlagader durch die Flure. Dann geht es natürlich etwas schneller.

Ab an die Anmeldung. Die freundliche, sehr korpulente Dame hinter dem Tresen begrüßt, die Formalitäten erledigt…Tochter auf die Bank innerhalb der Notaufnahme, Mama ins Wartezimmer. Mein obligatorischer Blick auf die Uhr zeigte 18.10 Uhr. Um 18.50 Uhr, ich war mit den „aufregenden“ Zeitschriften des nunmehr vollen Wartezimmers beschäftigt, tauchte meine Tochter auf. „Mama, gehen wir kurz raus? Es dauert noch. Ein Unfall mit Polytrauma (Verletzungen an mehreren Körperstellen) ist rein gekommen und ich muss noch warten“. Wie immer ist die Notaufnahme also unterbesetzt. Zum Glück habe ich ihr daheim eine sterile Auflage über die aufklaffende Wunde verpasst. So war sie wenigstens vor dem Verbluten und herumschwirrenden Krankheitserregern geschützt. Einigermaßen zumindest.

Wir zwei also raus an die frische Luft (warum müssen Krankenhäuser eigentlich immer so pervers stinken?!). Draussen vor dem Haupteingang zwei ältere, ausländische Herren. Direkt vor dem riesigen Schild „Rauchverbot“. Natürlich rauchend. Eine zeternde Frau, die ihnen erklärte, da dürfe man nicht rauchen, zog gerade ab. Einer der korpulenten Herren beugte sich Richtung Schild und zeigte seinem Begleiter „Guckst du! Da ist Pfeil. Warum nix rauchen?“ Der Pfeil weist eigentlich darauf hin, dass man weit um die Ecke gehen muss. Ist aber auch saublöd gemacht, selbst Deutsche haben wohl Probleme mit dieser Erklärung, wenn man sich die dort liegenden Kippen betrachtet (ich war mal brav und bin zum Raucherhäuschen gelaufen).

Als wir zurück in die Notaufnahme kamen, nun das Wartezimmer gerammelt voll, ging meine Tochter wieder rein. Erneut Warten angesagt. Zeit: 19.30 Uhr. Doch, oh Wunder, nach weiteren 10 Minuten kam meine Tochter „Mama, kommst du mit rein?!“ Welch Frage, immer doch. Ich stehe ja total auf den penetranten Geruch von Desinfektionsmittel und weitere, undefinierbare Gerüche. Aber eine Mutter lässt ihr Küken, und sei es auch schon 22, nicht alleine in der Not.

In dem Miniaturraum (geschätzte 4qm) hieß es wieder warten. Inzwischen machte sich bei mir die erste Übelkeit bemerkbar. Allerdings verdrückte ich diese, lenkte meine Tochter ab und sah bzw. hörte dem Treiben vor unseren offenen Türe zu. Habt ihr gewusst, dass Männer mit Schmerzen singen können? Im Ernst! Wir konnten den Armen zwar nicht sehen, aber dafür umso lauter hören. Um meine Tochter erneut abzulenken (sie immer noch mit meiner provisorischen Mullauflage über dem aufklaffenden Zeigefinger) fragte ich sie „Warum verwenden Menschen mit Schmerzen nur Vokale? Und nicht einer der Konsonanten?!“ Eine Erklärung habe ich aber noch nicht gefunden. Oder eben die Antwort auf diese Frage.

Außer dem singenden Schmerzpatienten lief mehrfach in schnellem Schritt ein Arzt im weißen Kittel vorbei. Okay, nun werde ich mal etwas gehässig, auch wenn ich so nur selten bin (lag wohl an der erfreulichen Klinikluft): der lief im Stechschritt und sah dabei aus als wenn er hinten einen Stock in der Hose hätte (neee, das Wort, das ich gedacht habe, schreibe ich nun wirklich nicht hier auf). Aber wichtig sah der Halbgott in Weiß schon aus.

Glücklicherweise, inzwischen 19.50 Uhr, tauchte ein junger Arzt mit Militärhaarschnitt auf. Süß, dachte ich, aber das der schon Arzt ist?! Sah verflixt jung aus. Aber nett und vorsichtig war er zu meiner Tochter. Also da lasse ich auf ihn nichts kommen! Ein Lob. Und das in der Notaufnahme Singen. Bestimmt waren meine Sinne in dem Moment durch das Desinfektionsmittel benebelt. Benebelt ist übrigens gar nicht so verkehrt, denn kaum hatte der Arzt meiner Tochter die volle Spritze Betäubung in den Finger gespritzt, wurde mir schwarz vor Augen. Schwindel, Drehwurm im Kopf, Klingeln im Ohr und die Knie gaben nach. Ohweia, auch das noch! Ein Schwächeanfall (ich hatte heute das Essen vergessen und dazu die Bullenhitze und der Gestank in dem Kämmerchen). Ich mit den Worten „ich warte draussen, dann habt ihr mehr Platz im Raum“ raus aus dem stinkenden Kabuff. Vor der großen Notaufnahmetür gibt es eine Bank. Da habe ich mich hingeschlichen. Hallelulja, ich saß. Einschließlich dem Gefühl sturzbetrunken zu sein. Ich war das nicht, aber kurz darauf ein junger Mann neben mir. Nicht ganz betrunken, aber anscheinend genug, um verunfallt zu sein.

Ein weiterer Arzt tauchte auf und untersuchte den jungen Mann neben mir ganz ungeniert (Privatsphäre? Gibt es wohl nicht.). Dieser erzählte ihm er habe zuviel getrunken, hätte Handschellen an gehabt und sei auf den Brustkorb gestürzt. Während er das dem Arzt berichtete, jodelte weiter hinten im Gang ein etwas älterer Mann. Sehen konnte ich sein Gesicht zwar nicht, weil er einen soooo großen Bauch hatte. Aber eben hören. Der Arme. Rückenschmerzen. Ganz dolle. Ja, ja, immer diese Geschichte „ich habe Rücken“. Schon tragisch. Und draussen am Empfang schrie ein Mann „Soll ich hier verbluten? Sind denn alle im Urlaub“ und der giftig antwortende Ton der korpulenten Empfangsschwester. Ein Irrenhaus!

Zwischenzeitlich verriet mir mein Blick auf die Uhr: 20.20. Wo blieb nur meine Tochter?? Den Arzt, der sie genäht hat, hatte ich schon mehrfach vorbeiflitzen sehen. Mein Schwächeanfall war fast weg, aber trotzdem senkte ich den Kopf nach unten. Plötzlich hörte ich meine Tochter sagen „Mama, da bist du ja! Ich dachte du bist schon raus und ich hab dich am Auto gesucht!“. *grins* sie war an mir wohl vorbeigegangen und weder habe ich sie gesehen, noch sie mich. Blinde Hühner, oder so.

Auf jeden Fall war sie genäht und ärztlich versorgt, ich konnte wieder normal laufen ohne Sternchen und schwarze Löcher vor den Augen zu haben und die Fahrt ging gen Hause. Uhrzeit: 20.35 Uhr. Juhu, Rekord! Wir lagen unter 3 Stunden Aufenthalt in der Notaufnahme! DAS geht in die Familiengeschichte ein.

So, und nun bin ich platt. Ab aufs Sofa und nüscht mehr machen. Morgen geht es dann wieder weiter und mal sehen was der neue Tag dann so bringt 🙂

4 Gedanken zu “Welch aufregender Abend: 3 Stunden Notaufnahme Klinik Singen, singende Patienten und ein Arzt mit Stock in der Hose

    1. Guten Morgen, meine Liebe 🙂 Danke! Meine Tochter ist hart im Nehmen, irgendwie hat sie den „Hang“ für Fingerverletzungen und sie hat heute kaum Schmerzen. *Grins* manche Dinge oder Situationen im Leben kann man echt nur noch mit Humor nehmen 🙂 Ich hoffe, dir und deiner Familie geht es gut!? Liebe Grüße

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