Geburtstage sind erfreulich pervers

Ich habe ihn in einigen Tagen. Und werde mich auch in diesem Jahr nur amüsieren. Geburtstag. Welch erfreulich perverser Tag im Jahr, an dem Menschen einem gratulieren, die 364 Tage Schwierigkeiten haben sich an einen Namen zu erinnern, aber als Kontakt oder „Freund“ natürlich durch einen Social Media System freundlicherweise daran erinnert werden, dass XY Geburtstag hat. Happy Birthday to you…Alles Gute zum Geburtstag…aber sind wir doch mal ehrlich: WEN interessiert denn das ab einem bestimmten Alter überhaupt noch?

Geburtstag. Irgendwann wurden wir einmal durch den mütterlichen Geburtskanal auf die Welt befördert. Dass uns keiner gefragt hat, ob wir sowas überhaupt wollen, hatte ich in einem älteren Beitrag schon einmal publiziert. Ist ja auch nebensächlich. Hauptsache wir feiern in irgendeiner Form einmal im Jahr diesen Tag, der da unser Geburtstag genannt und im Ausweis als solcher in der Regel fixiert ist. Bis wir 18 Jahre alt sind, macht das ja noch richtig gute Laune und vom Spaßfaktor will ich gar nicht reden. Wenn wir erst mal 18 sind, dann können wir endlich in die meistens Diskos, können staatlich erlaubt rauchen und Alkohol konsumieren und den Führerschein machen. Sofern wir diesen noch nicht  mit siebzehn Jahren inklusive Brief und Siegel, bestanden haben. Alles ist aufregend, das Erwachsenenalter hat uns endlich im offiziellen Griff und keiner kann uns mehr was sagen. Denken wir zumindest. Und was kommt dann?

Nach dem 18. Lebensjahr werden wir nur älter. Graue Haare machen sich breit, wenn sie vorher nicht schon den Geheimratsecken gewichen sind. Die Haut verliert ihre Spannkraft, erlaubt ist was gefällt und im Rahmen der Gesetze bleibt und die Knochen beginnen zu zwicken. Einst fanden wir Kittelschürzen und Lockenwickler ätzend, die Cordhosen mit Streifenmuster fast schon asozial und der langweilige Job fiel unter das Motto „geht ja mal gar nicht!“. Je älter wir werden, desto sonderbarer werden wir auch und finden vieles ganz annehmbar, was „damals“ einfach nur urbachen (asbachuralt) und unmöglich wahr. Plötzlich sagt man Sprüche, die schon Mama oder Oma zum Besten gegeben haben und erschrickt dabei, dass wir nun auch die eine oder andere dieser Aussagen und Ermahnungen verwenden. Kindergeschrei, einst unser täglich Unterhaltungsprogramm, geht uns so auf den Sack, dass wir die Gerichte aktivieren, um die Gören mundtot machen zu können. Das Alter hat schon was und das zunehmende im Besonderen…

Wenn man wie ich keine Lust hat sich einem Skalpell zur Schadensbegrenzung des Alters zu unterziehen und auch Botox-Spritzen meidet wie der Teufel das Weihwasser, dann hat das Thema Alter schon einen ganz anderen Lebensgeschmack. Morgens in den Spiegel zu sehen und die Zeichen der Zeit lachen einen an – also lustig ist das nicht, das sage ich euch mal so frei heraus. Auch das beim Flirten langsam die Alterstendenz des Gegenüber über die Marke Vierzig geht, ist kaum abwendbar. Es sei denn man macht einen als Frau auf Femme fatale, aber das ist auch ganz schön anstrengend. Mal so als dezenter Hinweis. Ergo: das Alter hat kaum Vorzüge. Außer, und nun kommt der große Vorteil, wenn man älter und älter wird, interessiert einen vieles einfach nicht mehr!

Hat man früher versucht Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und sei es mit jeglichem Biegen und Verrenken, juckt einen das ab einem bestimmten Alter, und mit der Segnung eines nicht ganz unintelligenten Gehirns, nicht mehr. Ob man gemocht wird oder nicht, ob einem Anderen der Kleiderstil gefällt oder nicht, oder ob man jedem nur nach dem Mund reden muss, weil man eben nicht als notorischer Stänkerer und Eigenbrötler gelten will – es interessiert einfach nicht mehr. Ein Happy Birthday aus relativ fremdem Mund oder Geschriebenem, nimmt man als Lächerlichkeit wahr und nur die nächsten, ehrlichen nahestehenden Personen ernten daraufhin ein warmes, erfreutes Lächeln und Dankeschön. Aber nicht weil man nun wieder ein Jahr älter geworden ist, sondern einfach deshalb, weil da jemand an einen gedacht hat, an einem der durchschnittlich 365 Tage im Jahr. Und auch an vielen anderen Tagen „Gutes und Schlechtes“ mit einem geteilt hat.

Geburtstage ab einem bestimmten Alter zu feiern sind meines Erachtens eine perverse Angelegenheit, denn rein grundsätzlich betrachtet feiern wir dadurch wieder ein Jahr näher zum Sarg. Obwohl – auch dieser kann ja seinen Reiz bieten, weenn man sich mal so den Tanz der Vampire in Hamburg oder anderswo besieht. Ihr merkt schon, mein Geburtstag arbeitet in mir und dabei bin ich noch nicht mal annähernd Sechzig oder so. Aber, leider hat mir Gott weiß wer ein funktionierendes Gehirn gegeben, das oftmals viel denkt und nicht einfach hinnimmt und existiert – folglich mache ich mir halt so meine Gedanken und damit auch zum Thema Geburtstag und Feiern oder die Heuchelei, welche sich hinter all den urplötzlich auftauchenden Gratulationen verbirgt.

Allerdings – in meinem Alter darf und will ich das und sollte ich das nächste Lebensjahr auch noch überleben, dann lasse ich euch wissen, ob ich meine Meinung zu Geburtstagen ab 18 geändert habe. Mittlerweile wünsche ich euch einen kommenden gesunden Geburtstag und Geschenke oder Glückwünsche, die nicht „daneben“ sind und euch das Älterwerden tatsächlich versüßen! Genießt zudem die wahre Freiheit des geistigen Denkens mit zunehmenden Alter und setzt diese weise bei vielen privaten, geschäftlichen oder politischen Angelegenheiten ein, denn: ihr dürft das als Geburtstagskind Ü18!

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4 Gedanken zu “Geburtstage sind erfreulich pervers

      1. … sag ich nicht so gerne. Da ich immer falsch eingeschätzt werde, möchte ich auch weiterhin meinen Spaß haben 😃. Finden manche vielleicht blöd, ist mir aber egal. Dir ein schönes Wochenende. LG von gartenkuss 🙋

      2. *grins* kein Problem…mir geht es ebenso…dann wahren wir beide unser „Geheimnis“..dir auch ein schönes Wochenende! LG

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