Eltern, lasst eure Kinder über Linien malen!

Hallo, da seid ihr ja wieder! Das freut mich, wie stets, wirklich sehr, allerdings muss ich gleich eine Frage stellen: arbeitet ihr als Lehrer, Erzieher oder sitzt ihr in einem Schulamt bzw. im Ministerium für Bildung? Dann nehmt heute doch bitte gleich zwei Eisbeutel, denn der Tritt gegen das Schienbein fällt besonders gewaltig aus! Solltet ihr nicht zu diesen Berufsgruppen gehören, sondern „nur“ Eltern sein, braucht ihr entweder gar keine Kühlung oder allenfalls nur einen Beutel.

Wer hat sich den Schwachsinn ausgedacht, dass unsere Kinder schon ab dem Kindergartenalter und im Besonderen auch in der Schule, nicht außerhalb vorgegebener Linien malen dürfen?! Das ich Mutter bin, dürfte ja inzwischen bekannt sein, aber das ich zu denjenigen zähle, die ihren Kindern einen eigenen Willen und dann auch noch das Recht zur Kreativität zugesteht, ist dem einen oder anderen von euch vielleicht bislang neu gewesen.  Und doch ist es so, wenn, ja, wenn da nicht diese Möchte-gerne-Perfektionisten wären, die unseren Kindern alles nur keine freie Entfaltung erlauben. Wisst ihr überhaupt, warum mich gerade dieses Thema seit Jahren immer wieder mächtig aufregt? Nein? Weil unseren Kindern damit doch tatsächlich weitaus mehr abtrainiert wird als nur die Kreativität.

Ihr glaubt, ich übertreibe bei diesem Thema? Da täuscht ihr euch allerdings gewaltig. Wie viele Tränen es bei uns schon gab, also mal ehrlich, mit denen könnte ich mehrere Badewannen füllen. Und alles nur, weil meinen Kindern einst immer wieder an den kleinen kreativen und eigenständigen Kopf geworfen wurde, dass sie sich gefälligst an die Regel halten sollen bei Ausmalbildern (selbst in der ersten Klasse!) innerhalb der Linien zu bleiben. Auch wenn meine Kinder inzwischen sehr wohl frei darüber entscheiden, ob und wie sie „Linien“ beachten, bleibt oftmals das Thema immer noch nicht aus, da mein jüngster Sohn aktuell in der 8. Klasse seinen noch jungen Mann steht.

Kennt ihr dieses Dilemma mit euren eigenen Kindern oder denen aus befreundeten Familien? Na, dann wisst ihr sicherlich wovon ich gerade spreche. Anfangs habe ich mich tatsächlich gefragt, warum nur diese Akribie schon bei den zwei- und dreijährigen Kindern konsequent vollzogen wird. Wisst ihr es unter Umständen? Ich weiß es inzwischen und dieses Wissen könnte mich auf die Palme bringen, aber dann würde die Gefahr bestehen, dass ich mit den dort befindlichen Kokosnüssen werfe und hierbei die richtigen Verantwortlichen treffe. Wäre doch schade, um die defekten Kokosnüsse, meine ich, denn solch einen essbaren Genuss sollte man lieber anderweitig zum Einsatz bringen.

Klein halten, im Rahmen bleiben, nicht links, nicht rechts, oben oder unten anvisieren. Wer das schon früh im Kindesalter eingetrichtert bekommt, mitunter selbst anhand von Strafandrohungen, der wird im Verlauf des Lebens allenfalls in den Trotzphasen dagegen mucken und im Lebensverlauf dann brav und angepasst im Denken und Handeln bleiben. Dass der Himmel grün und die Wiese blau sein kann, wird dann vehement abgelehnt. „Das ist nicht so!“ ist ein wunderbares Zeichen dessen, dass nichts mehr in Frage gestellt oder nur selten Neues ausprobiert wird. Ihr schaut gerade so eigenartig? Nein, sagt lieber nichts, ich sehe es euch an, dass ihr als Kind nicht rausmalen durftet. Keine Sorge, denn HEUTE sollt ihr aus allen Linien rausmalen! Tobt euch kräftig aus, denkt kreuz und quer und vor allem: bringt es euren Kindern bei! Zwängt die Kleinen nicht in das allzu frühe starre Korsett des „Du tust gefälligst nur das, was alle tun!“ Dieses Korsett kommt früher oder später in irgendeiner Weise sowieso, aber ihr wisst bestimmt aus eigener Erfahrung, Erzählungen und dem einen oder anderen Erziehungsbuch, dass die ersten sechs Jahre für unsere Kinder äußerst prägend in der Entwicklung sind. Nicht? Na, dann wisst ihr es eben jetzt.

Helft euren Kindern dabei, wenn ihr mitbekommt, dass im Kindergarten oder in der Schule ständig gepredigt wid, dass die kleinen Kinder ums Verrecken innerhalb der vorgegebenen Linien bleiben sollen! Das lernen die Kinder nämlich mit der Zeit von ganz alleine wie das geht und was aus ihrer Sicht schlussendlich schöner aussieht, sollen sie dann bitte selbst für sich entscheiden. Traut euch für eure Kinder bei den Erziehern und Lehrern den Mund aufzumachen und das im Besonderen auch dann, wenn euer Kind unter den ständigen Ermahnungen und Rügen regelrecht leidet, sich schrecklich aufregt und permanent zu weinen beginnt! Wer, wenn nicht wir Eltern, können unseren Kindern zeigen das die Welt bunt ist und sei es, wenn wir uns diese in vielerlei Hinsicht einfach bunt gestalten?! Wer, wenn nicht ihr und ich, sind dazu fähig unseren Kindern das Recht zu geben „Nein“ sagen zu können, wenn ihm etwas im wahrsten Sinne des Wortes gegen den Strich geht?

Im übrigen hat solch ein Recht „im Kleinen“ weitreichende Folgen für das ganze Leben. Wissen wer man ist, wissen was man will oder nicht, nein sagen in Situationen, die einen ängstigen oder einengen – verhelfen zu einem eigenbestimmten Leben. Und können bis ins hohe Alter eine nicht zu verachtende Hilfe sein, um körperlich, geistig und seelisch unversehrt zu bleiben. Somit mein Aufruf an euch: malt über Linien, lasst den Himmel lila werden und radiert die Linien aus eurem Kopf, und dem eurer Kinder, aus…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s