Die Kunst des Kennenlernens

Hallo, ich bin Claudia und wer bist du? Nein, also mal ganz ehrlich, die Zeiten sind schon lange vorbei als man derart zwanglos auf andere Menschen zugehen konnte. Ja, im Kindergarten und in der Schule ging das noch wirklich gut mit dem Kennenlernen von anderen. Aber dann? Wann haben wir eigentlich hier im Land die Fähigkeit verloren einfach einen anderen Menschen anzusprechen und das nur mit dem Hintergrund, weil irgendetwas an ihm oder ihr interessant erscheint? Gehst du ohne Hemmungen auf andere zu oder ist es doch eher so, dass der Mund verklebt sobald man auch nur zu einem Fremden „Hallo!“ sagen kann?

Ja, ja, der Mensch und seine Fähigkeit der Kommunikation. Gar keine so leichte Angelegenheit, wenn man nicht unbedingt zu den extrovertierten Menschen gehört, die da weitaus weniger Hemmungen an den Tag legen, wenn es darum geht, Kontakt aufzunehmen. Ich rede hier im Übrigen von einem persönlichen Kontaktaufnehmen, so mit Auge in Auge, und nicht via Chat, Skype, Twitter oder Email. Allerdings gibt es selbst bei diesen anonymen Kommunikationsplattformen durchaus Frauen und Männer, die allein beim Denken an ein, die Tasten verlassendes „Hallo!“ schon Schweißausbrüche bekommen. Wer ist schuld daran, dass einfach Reden und andere ansprechen so verdammt schwierig ist? Man selbst? Die Eltern, einstige Lehrer oder ganz jemand anderes?

Da komme ich dann doch immer wieder ins Grübeln, weshalb es so manchem Zeitgenossen derart schwer fällt, auf andere Menschen zwanglos zuzugehen. Zumal ja nicht viel geschehen kann, denn nachwievor sind ja 99,9% aller hier im Lande lebenden Individuen zivilisiert genug, keinem den Kopf abzureißen, wenn eine dezente, aber höfliche Ansprache kommt. Außerdem: welche Chancen man sich im Leben vergibt, weil das Adrenalin in den Ohren braust, die Hände eher einem Wasserfall ähneln und die Zunge ganz hinten im Gaumen festzukleben scheint!

Ob Traummann oder Traumfrau, die heiß begehrte Arbeitsstelle, neue Bekanntschaften um des Freundeswillen – egal was man sich da so im Leben erwünscht, steht und fällt mit der Fähigkeit mit anderen Leuten frei jeden Zwanges zu kommunizieren. Übrigens nicht nur mittels der verbalen Sprache hapert es mitunter gewaltig, sondern auch bei der körperlichen. Gesenkte Blicke, hängende Schultern, ein halbweggedrehter Oberkörper, krampfhaft verschränkte Beine und Hände sind nur einige der stillen Hinweise, die auf einen Gegenüber nicht gerade einladend wirken. Im Gegenteil, oft ist hier schon Schluss mit jeglichem Interesse, denn was soll man schon mit einer verschlossenen menschlichen Muschel anfangen können. Jedes Wort aus der Nase ziehen? An den Schultern festhalten und in ruhigen Worten mitteilen „ich tue dir nichts!“? Das geht nun auch wieder nicht. Oder zumindest nur in seltenen Ausnahmen.

Small Talk heißt das Zauberwort, um ein Gespräch zwanglos und ohne Risiko mit einer wildfremden Person beginnen zu können. Wie funktioniert das bei dir? Hast du selbst dabei Hemmungen oder klappt das schon so gut, dass du dich von neuen Bekannten und Geschäftsbeziehungen kaum mehr retten kannst? Das Schöne am Menschen ist ja, dass er fast alles erlernen kann, wenn er nur will und sich offen zeigt für Neuerungen im Leben. Und mal unter uns gesagt muss es nicht immer ein teurer Coach sein, der einem den Weg in eine gänzlich neue Kommunikationswelt zeigt. Üben, sicherlich, ohne das geht es gerade bei gehemmten Menschen nicht, wenn man einfach und frei heraus andere Menschen ansprechen möchte. Hervorragend als Übungsplatz geeignet sind hierbei Geschäfte jeder Art. Zum Beispiel neben dem Brötchenkauf mit der Verkäuferin über das Wetter oder die angebotetenen Produkte zu reden ist ebenso simpel wie effektiv in Sachen Kontaktaufnahme und Small Talk üben.

Uhrzeiten nachfragen, über die Bahnverspätung zu reden, Krake Paul als tierischen Gesprächspartner wählen und, und, und. Fast endlos sind die Möglichkeiten ohne bestimmte „schwere“ Themen, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Trau dich ruhig, denn ich kann dir garantieren, dass du keinen Nachteil erleiden wirst. Allerdings kann es keinesfalls schaden sich etwas mit dem Thema Small Talk zu beschätigen, denn dass es zu Beginn einige Tabuthemen beim Kennenlernen ebenso gibt als auch die Tatsache, dass man dem Gegenüber nicht gleich seinen sehr eigenwilligen Kleiderstil unter die Nasen reiben sollte, ist durchaus wissenswert.

Vielleicht erzählst du mir ja davon, wie du auf andere Menschen zugehst und was du bei diesem Thema bereits selbst erlebt hast! Da wir uns inzwischen ja kennen, sollte doch das Schreiben gar kein Problem mehr für dich darstellen.

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