Reale Erfahrungsberichte zum Thema Frauenfallen Teil 1

Wie du nun zum großen Teil lesen konntest, gibt es eine Vielzahl an Fallen, die uns Frauen das Leben nicht gerade leicht machen und, was noch tragischer ist, in die wir oft genug selbstständig hineinstolpern. Claudias Geschichte ist im Großen und Ganzen fiktiv, allerdings lässt sie sich täglich rund um den Globus im Realen erleben, sehen und nachvollziehen.

An dieser Stelle kommen nun zwei Frauen stellvertretend für sehr viele andere zu Wort, die ihre persönliche Geschichte der Frauenfallen erzählen, um aufzuzeigen, dass wir weiblichen Wesen mitunter tief in den Wirren des Lebens verstrickt sein können. Die Erfahrungsberichte sollen anderen Betroffenen dabei helfen noch etwas mehr erkennen zu können, ob sie selbst unglücklich in einer der vielen Fallen stecken und zeitgleich noch mehr einen Impuls dafür geben, wieder ein glückliches und selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Nun lasse ich Ricky und Gaby erzählen, die in meinen Augen bereits den Weg aus dem Dilemma von Harmoniesucht, Abhängigkeit oder schlechtem Gewissen, für sich erkannt haben. Bei den einzelnen Berichten habe ich keinerlei schriftliche Veränderungen durchgeführt, somit bleibt die Authentizität der Erzählungen erhalten. Allerdings baten mich die Frauen darum anonym bleiben zu können, folglich habe ich diese Wünsche respektiert und lediglich ihre Vornamen angegeben.

Ricky (43)

Da werde ich in einigen Tagen 43, habe 2 Kinder groß gezogen und tappe immer noch mit fester Regelmäßigkeit in sogenannte „Frauenfallen“! Denke mal, dieses Manko wird jede Frau an sich kennen, nur hat mich es das letzte Mal fast das Leben gekostet.

Es war die vermeintlich gorße Liebe. Wobei ich mich immer wieder frage, wie viel „große Lieben“ kann man im Leben eigentlich haben!? Der Mann war einfach genau mein Typ! Charismatisch, romantisch, jung geblieben, aufmerksam, liebevoll….All das, wo das weibliche Ego sich geschmeichelt fühlt und man sich als Frau bestätigt sieht. Er deckte Sehnsüchte einer Frau ab, nach vollkommener Liebe und Geborgenheit. Das Gefühl nach Einzigartigkeit war gigantisch!

Heute weiß ich nicht mehr, wann genau der Moment war, als die Falle zuschnappte. Ganz sicher gibt es ein Vorwarnsystem! Meines muss zu dieser Zeit einen gehörigen Defekt aufgewiesen haben! Um es auf den Punkt zu bringen, ich habe enorm geschwächelt.

Warum gibt es keine knarrenden, quietschenden Geräusche, kein rotes Blitzen, keine Warnlampe, wenn sich die Gefahr langsam aufbaut? Nein…mit einem Schlag schnappt die Falle zu!! Bei mir war es die, mit dem Inhalt „Helfersyndrom“ und eine, wo ganz groß „Harmoniesucht“ drauf stand. Mit vollen Kannen ausgeschüttet und das Dilemma nahm seinen ungesteuerten Lauf.

Ich bekam eines Tages mit, dass der Partner an meiner Seite keine sehr schöne Kindheit hatte, dass er Symptome einiger Krankheiten aufwies, die eindeutig in die Fachrichtung Psychatrie gehörten. Da ich mich schon immer für die Seele des Menschen interessiert habe und selbst eine Weile im Einsatz auf einer psychiatrischen Station eines Krankenhauses war, fing ich an, mich ganz intensiv damit zu beschäftigen. Bücher gewälzt. Artikel aus dem Internet heraus gesucht, eben alles genutzt für meine Recherche. Die Beziehung litt immer mehr unter seinen Ausbrüchen, weil er teilweise wie ein kleines Kind war, welches permanent die Aufmerksamkeit einer Person braucht. Ich war immer mehr unter Druck alles Recht zu machen, zerrissen zwischen Partner und Kindern, mich ständig erklärend, dass es nicht unnormal ist, wenn sich Partner in einer Beziehung auch allein weiter entwickeln, da dies zur eigenen Persönlichkeitsentfaltung einfach dazu gehört.

Für ihn war das absurd, kalt und verworfen! Seine Wahrnehmung war eine völlig andere als die, welche die meisten Menschen besitzen. Er bestimmte die Zeit, welche ich meinen Kiindern widmen sollte, er bestimmte je nach seinem Empfinden ob man etwas unternahm, ob man Kontakte hatte oder nicht und vor allem welche Kontakte. Es war ein Teufelskreis! Schwarz oder Weiß! Wenn es nicht so lief, dann trat er mit Worten nach allem, was ihn umgab. Zerstörte, was ihm gerade unter die Hände kam. Egal ob es meine Autoreifen waren oder persönliche Dinge meiner Kinder.

Immer wieder dachte ich, dass ich ihm mit Hilfe meiner Liebe, meines Wissens da raus helfen könnte. Wir haben stundenlang geredet. Je nach Tagesform war sogar Einsicht seinerseits vorhanden. Der Wille, sich helfen zu lassen. Von professioneller Seite. Er sah in einigen Momenten sogar ein, dass es ohne Therapie wahrscheinlich nie ein Ende nehmen würde.

Mit der Zeit kam immer mehr hinzu, es wurde immer verzweifelter…seine Sucht nach Aufmerksamkeit ging sogar soweit, dass er mir drohte, dass er sich etwas einfallen ließ um mich zu sich zu holen, wenn ich mal einen Ausflug mit meiner Tochter unternahm. Es war eine Menge Alkohol im Spiel, Tablettensucht, extrem verbale Ausbrüche. Spontane, der jeweiligen Situation völlig unangepasste, überzogene Aktionen und Reaktionen.

In meinem Kopf herrschte nur noch Chaos und eine Empfindung, die ich bis dahin noch nie kennengelernt hatte, die festgefahrene Angst vor ihm! Und trotz allem war ich immer noch der Meinung „ich schaffe das!“. Bis ich eines Tages einsah, dass es keinen Sinn macht und ich am Ende selbst auf der Strecke bleibe. Mittlerweile hatte ich abgenommen und wog nur noch 43 Kilo, man sah mir von Weitem den Stress an. Mein Körper signalisierte mir „Hilf MIR und nicht mehr IHM!“.

Mein Rückzug von ihm begann und das hat er sehr wohl gespürt! Heute weiß ich, wenn ich nicht das „kleine Helferchen“ in mir gehabt hätte, nicht die Sucht nach Harmonie, dann wären mir von Anfang an viele Dinge aufgefallen und ich hätte alle Anzeichen deuten können und es wäre nie soweit gekommen, dass er mir in seiner kranken Verzweiflung, mehrfach psychisch und physisch zusetzte, am Ende mir einfach nur noch die Hände um den Hals legte und wie im Wahn zudrückte!

Das war auch das Ende von Allem. Nach Krankenhaus, vielen Gesprächen mit Freunden, habe ich begriffen, dass man nur helfen sollte, wenn man selbst dabei nicht auf der Strecke bleibt. Man sich wohl dabei fühlt, das Gefühl hatte ich bei all meiner Hilfe nicht! Nein sagen können, ein gesundes Maß an Egoismus gehören dazu, um nie wieder in solch einer Falle zu landen.

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