Schwiegermütter – Horror oder Chance?

Guten Morgen die Damen und Herren 🙂

Viele haben sie. Viele hatten sie. Mal Drache, mal Kaktus, mal Rosenblüte. Die Gratwanderung oftmals zwischen der Leichtigkeit des Seins und Nightmare on Elmstreet nur so hauchzart wie die Spannweite eines Schmetterlings. Schwiegermütter, das Mysterium seit Menschengedenken.

Jetzt mal hinweg von den blumigen Worten und hin zum Alltag.

Beim Thema Schwiegermütter scheiden sich die Geister. Die einen haben einen wunderbaren Kontakt zur Mutter ihres Auserwählten, die anderen sind sich spinnefeind und könnten sich nicht nur die Augen auskratzen. Frauen generell haben oftmals ein gefühlsmäßiges Minenfeld miteinander, ob das nun auf Konkurrenzgedanken beruht oder auch einfach nur auf der Tatsache basiert ist sich nicht riechen zu können. Wobei ich letzteres durchaus verstehen kann, wenn schon aus der Ferne eine penetrante Duftwolke zu erschnüffeln ist. Zumindest kann man nachvollziehen, weshalb gerade Frauen sich so oft in die Haare bekommen. Aber: warum streiten und hassen sich Frauen, deren Merkmal darin besteht einen Altersunterschied von Jahrzehnten zu haben?

Also ich habe eine. Eine Schwiegermutter, meine ich. Zumindest fast, denn offiziell ist das durch eine Unterschrift noch nicht bestätigt. Somit eine Schwiegermama in Spe. Was sich aber trotzdem wie eine richtige Schwiegermutter anfühlt. Und ich scheine Glück gehabt zu haben.

Uns trennen zarte 31 Jahre, aber irgendwie scheint uns das egal zu sein. Wir können miteinander lachen und weinen, sie frägt mich bei der Kleiderwahl durchaus um Rat, noch nie hat sie Nein gesagt, wenn es um irgendeine Form des Helfens ging und ja, doch ich habe wirklich Glück gehabt, sie redet mir weder in den Haushalt noch in die Beziehung zu ihrem Sohn rein. Aber Tipps hat sie, die bereits Früchte getragen haben. Besonders was Beziehung angeht. Sie selbst war über 50 Jahre verheiratet (welch eine Leistung in unserer Wegwerfgesellschaft) und wohl nicht ohne Grund. Weibliche Weitsicht und ein gewisses Maß an Gleichmut waren zwei von vielen Gründen, weshalb ihre Ehe so lange hielt. Bis Schwiegerpapa letztes Jahr plötzlich verstarb. Ein Verlust, gerade für sie. Und wir waren bzw. sind für sie da. Wie sie für uns.

Ich habe von ihr gelernt wie ein Miteinander zwischen zwei Dickköpfen reibungsloser funktioniert. „Denk dir deinen Teil und sei einfach mal ruhig“, so lautete einst ein Tipp von ihr. Gar nicht so einfach, wenn man als Frau seine eigenen Gedanken und Meinungen hat. Aber es hat gewirkt, Streitereien wegen Kleinigkeiten ließen erheblich nach. Sehr entspannend, sozusagen. Aber sie weiß noch viel mehr. Zum Beispiel was Zusammenhalt bedeutet oder Gefühle zu zeigen. Oder wie man Linzertorte bis zur Perfektion backt. Und wie man trotz Tiefschläge im Leben das Lachen nicht verliert. Doch ich mag sie sehr. Und sie mich. Ein kleiner Glücksfall, denn Familie können wir uns bekanntlich nicht aussuchen und man kann das Eine nicht haben ohne das Andere nicht zu akzeptieren und anzunehmen. Irgendwie immer so im Leben, die zwei Seiten einer Medaille.

Nun aber kenne ich viele Fälle, in denen gerade Schwiegermütter zum Horror werden. Sie mischen sich in die Haushaltsführung und Kindererziehung der Schwiegertochter ein. Betüddeln ihren nun mehr erwachsenen Sohn wie einst im Windelalter und haben das Talent unangemeldet zu jeder Tages- und Nachtzeit auf der ehelichen Matte zu stehen. Sie wissen alles besser, „der Junge soll immer für mich da sein“ und die Schwiegertochter ist einfach nur unfähig und sowieso nicht die Richtige für den Bub. Ohweia.

Und ich frage mich: warum verhalten sich so viele Schwiegermütter so? Warum erkennen sie nicht die Chance eine Tochter dazu zugewinnen anstatt einen Sohn zu verlieren? Weshalb bieten sie nicht ihre Erfahrungen, Kenntnisse, Zeit und Liebe an, um der Nachwuchsfamilie beizustehen und somit irgendwann auch auf deren Hilfe bedingungslos vertrauen zu können? Und: wollen sie wirklich lieber einmal abgeschoben im Altersheim oder Pflegeheim dem Besuch der Mitbewohner nachsehen anstatt ihrer eigenen Familie?

Aber wie gesagt, die Medaille hat zwei Seiten. Auch Schwiegertöchter können der wahre Horror sein. Sie sehen die Mutter ihres Mannes als Despotin, Störfaktor und versuchen alles um den Kontakt zwischen Mutter und Sohn zu unterbinden (wir haben selbst solch einen Fall in der Familie). Doch Moment: hat sie das Recht sich bösartig zwischen zwei Menschen zu stellen, die Jahrzehnte lang verbunden sind? Zu hintertreiben, den eigenen Mann in die Ecke zu drängen, der stets zwischen den Stühlen sitzt? Wie können sie ihm solch eine Entscheidung aufdrücken „entweder sie oder ich“? Hat das mit Liebe zu tun? Wahre Liebe, meine ich. In der jeden den anderen so sein lässt wie er ist. Nicht verbiegen und verbieten wie bei den zahlreichen Versuchen bei Kindern. Jeder Partner seine Meinung haben und behalten kann. Weder drängen noch nötigen als Beziehungsheil angesehen wird. Hingegen vielmehr die vielen Chancen ermöglicht, die sich durch ein neues Familiengefüge ergeben. Und, ja, mitunter auch einmal Dankbarkeit zeigen.

Ohne die vielen Schwiegermütter, die eigentlich gerne endlich selbst wieder ein Leben hätten, welche auf die Enkel aufpassen, im Haushalt mithelfen, Geld zuschieben und, und, und…würden zahlreiche Frauen, sprich Schwiegertöchter, ganz schön in die alltägliche Bredouille kommen. Was macht es da schon aus, wenn Schwiegermama mal ihren Kommentar zu etwas abgibt oder sich über irgendwas aufregt? Sie ist doch auch nur ein Mensch. Die zwei Seiten der Medaille, ihr wisst schon.

Also ich bin dankbar, dass es meine Gitta gibt, die ich oft Schwiegerdrache nenne, was sie etwas pikiert, aber doch mit einem Lachen oder einem Gegenspruch hinnimmt. Ich mag es nicht, wenn sie traurig ist und weint. Dann halte ich sie ganz fest oder streiche ihr über die Wange. Aber ich mag es, wenn sie lacht und von Erlebnissen erzählt, die sie inzwischen wieder etwas mehr hat nach dem Tod ihres Mannes. Mit 76 Jahren sieht sie nicht nur viel jünger aus, sondern sie ist auch geistig topfit (zum Glück), hat Humor, weis oft Rat und merkt auch, wenn es Zeit ist zu gehen. Ja, ich habe da Glück gehabt und nehme das nicht selbstverständlich.

Aber wie sieht es da bei euch aus?

Welches Verhältnis habt ihr zu euren Schwiegermüttern?

Ist sie ein Segen oder eher Fluch für euch?

Ich bin gespannt auf eure Kommentare 🙂 also her damit!

 

Fotoquelle: stupidedia

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