Blog-Roman Claudia Teil 3

Haben Sie noch etwas Zeit? Möchten Sie auch noch etwas Kaltes trinken? Ach, da fällt mir gerade ein…Jetzt kennen wir uns schon eine ganze Weile und erzählen uns recht intime Details aus unserem Leben, wäre es da nicht angebracht uns zu Duzen? Klasse! Da erzählt es sich doch leichter und wir sind inzwischen ja fast so etwas wie Freunde.

Okay, wo war ich stehen geblieben? Genau, an dem besagten alles verändernden Tag mit dem Kohlhussel…

Als ich mich einwenig gefangen hatte, fuhr ich zur Filiale nach Konstanz. Reichlich unkonzentriert erledigte ich meine Pflichten. Normalerweise freue ich mich auf jeden Arbeitstag, doch an jenem Tag war ich nur froh Feierabend machen zu können. Ebenso froh war ich, dass meine Kinder Dennis und Tamara (ich nenne sie meist Tammy) das Wochenende bei ihrer Oma verbrachten. So bekamen die beiden nicht sofort mit wie aufgewühlt und durcheinander ich war.

Es war Freitagnachmittag. Mechanisch erledigte ich einige notwendige Einkäufe und fuhr nach Hause. Nichts mehr sehen und hören, war einer der Gedanken, die mich durchzogen. Sag mal, hast du Kinder? Bist du auch berufstätig? Ich habe ja fast immer gearbeitet, nur die drei Monate nach den jeweiligen Geburten setzte ich im Beruf aus. Ein Balanceakt Kinder, Haushalt, Partner, Beruf und all die anderen Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen. Aber sicher weißt du zu genau wovon ich gerade spreche. Bist du auch so eine Perfektionistin und möchtest es allem und jedem recht machen? Also ich kann dir schon eine Arie davon singen…

In meiner Ehe mit Marc war ich echt der Depp vom Dienst. Er hat sich mit anderen Weibern vergnügt, den Fitnesstrainer gemimt und an mir blieb der ganze Kram des Alltags hängen. Meine Güte, wie lange war ich doch damals blind! Mir war das zig Jahre absolut nicht bewusst, was da auf meine Kosten ablief. Obwohl ich vollkommen ausgebrannt war, hielt ich, aus der Angst heraus alleine mit den Kindern zu sein, diese seelische Folter aus. Und natürlich aus Harmoniesucht, jeden Konflikt vermeidend, wurde ich nicht nur von meinem Exmann als Fußabtreter benutzt, nein, auch beruflich zog ich ständig den Kopf ein und verzichtete auf Einkommen und Ansehen. Wie blöd man doch als Frau sein kann!

Gehörst du auch zu der Sorte Frau, die vor lauter Harmoniesucht permanent schluckt? Und sich dabei regelrecht krank fühlt? Auch so mit Kopf- und Magenschmerzen? Damals ging es mir echt dreckig. Kein Tag verging ohne Magen- oder Kopfschmerzen und diese explosive Mischung aus Wut, Trauer, Depression und Aggression lag wie ein Schraubstock um meinen ganzen Körper und Denken. Wieso guckst du so komisch? Es ist nichts? Aha, na gut, wenn du meinst. Soll ich weitererzählen?

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